Der perfekte Moment

Da es mich jetzt gerade sehr beschäftigt und ich heute wieder damit konfrontiert wurde, schreibe ich über Misgendering.
Erst einmal (m)eine Definition:
Wenn eins sich als Enby zu erkennen gibt, und ein anderer Mensch falsche Pronomen für es verwendet, ist das absichtliches misgendern.
Natürlich kommt es auch vor, dass Menschen falsche Pronomen benutzen, wenn man sich noch nicht so lange kennt (was mir selbst oft genug passiert). Wenn eins es aber erkennt und sich verbessert, ist es meist nicht so schlimm, kann schließlich mal passieren.
Schwieriger wird es, wenn eins nicht geoutet ist.
Ich hatte wieder eine gute, wenn auch kurze Gelegenheit gehabt, meinem Vater zu erzählen, welches Geschlecht ich habe. Es war eigentlich ein sehr guter Moment, wenn nicht sogar perfekt, den ich aber verpasst habe…
Dadurch weiß meine Familie aber auch nicht, dass es mich verletzt, wenn sie das Pronomen „sie“ und meinen Deadname benutzen.
Es ist ein Gefühl der Akzeptanz, das verletzt wird. Dadurch, dass sie das falsche Pronomen verwenden, verletzen sie mich, aber sie können es nicht wissen, da ich mich nicht geoutet habe. Und da das noch nicht passiert ist, werden sie weiterhin falsche Pronomen benutzen und mich unabsichtlich verletzen…
Es ist ein Teufelskreis, ich geb es zu. Und ja, es wird so weiter gehen, bis ich mich zu erkennen gebe.
Aber ich lebe auch mit meiner Familie zusammen, und wenn sie mich nicht akzeptieren, wo soll ich dann hin? Ich habe keinen Plan für „Meine Familie akzeptiert nicht, dass ich ein Enby bin und benutzt absichtlich falsche Pronomen“. Ich habe mich noch nicht soweit damit beschäftigt, als dass ich eine Lösung gefunden hätte. Wenn ich jemanden in der Nähe hätte, der*die mich für ein paar Tage hätte aufnehmen können, dann wäre das ein anderes Thema, aber so jemanden habe ich nicht. Hier bei meiner Familie bin ich auf mich gestellt.