Meine verschiedenen Outings

Wie schon der Titel sagt, möchte ich von meinen verschiedenen Outings erzählen.
Es haben sich einige angesammelt, und ich picke einfach die wichtigsten in meinem Leben heraus.
Ich gehe es chronologisch an:
Mein Zwangsouting war vor zwei Jahren. Damals schon habe ich gewusst, dass ich nicht weiblich war. Ich habe verschiedene Sachen ausprobiert, auch mit Pronomen (sogar „er“), bin aber nicht auf den Begriff „nicht-binär“ und meine heutigen Pronomen gestoßen.
Ich war nicht bereit, mich bei anderen als bei meinem damaligen Freund zu outen. Nicht mal vollständig in der Familie.
Das hat sich eine Weile unterschwellig mitgezogen, jedoch war ich nicht unzufrieden mit dem mir an meiner Geburt gegebenen Pronomen.
Jetzt, nach 2 Jahren, wiederholt es sich. Aber es hat sich auch gleichzeitig gefestigt.
Das merke ich schon an meinem regelmäßigen Outing beim Queer-Treff in meiner Nähe. Es kommen immer wieder Menschen, die ich noch nicht kenne, und bei denen ich mich und meine Pronomen vorstelle. Das sind kleine Outings und inzwischen Routine.
Ein etwas größeres Outing war das bei meiner Mama. Ich habe sie in der Nacht angerufen und ihr erzählt, wie ich mich fühle, was es für sie bedeutet, wie meine Pronomen sind (sehr einfach: per!), und sie hat es sehr gut aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt wurde mir verboten, mich in den nächsten zwei Wochen bei meiner Schwester, die mit ihr wohnt, zu outen, da sie im Moment Abitur hat 😀
Ich war in der letzten Woche in Polen. Als meine Schwester mich zum Abfahrtsort gefahren hat, habe ich ihr in der Zeit im Auto von meinem Geschlecht erzählt. Ihr (wörtlicher!) Kommentar dazu: „Okay, cool“ und ob es noch etwas gebe. Das war mein einfachstes Outing von allen!
Nach Polen war ich bereit, mich auch bei meinem Vater und meiner Stiefmutter zu outen. Am Abend war ich bereit. Aber vor und während dem Abendessen gab es Kommentare, die mich zurückhielten, es durch zuziehen.
Ich behielt Recht.
Ich war sehr verletzt von den Kommentaren über den befreundeten Menschen, den ich kenne und von dem ich ein wenig erzählt habe, und lag daher weinend in meinem Bett.
Mein Bruder hat es gesehen und es meinem Vater weiter gesagt.
Dies ist eines der schlimmsten Outings.
Ich habe sehr viel geschrien. Ihm gesagt, ich bin nicht-binär, und laut seinem Kommentar, es gebe nur an oder aus, existiere ich nicht. Ich habe ihm auch von meinem Namen erzählt, wie ich gern genannt werden möchte, und er stellte nur fest, dass ich meinen Geburtsnamen noch nie mochte – woran das nur liegen mag…
Irgendwie hat sich das Gespräch gewandelt und wurde wieder zu einem Vortrag darüber, dass ich mir doch eine Ausbildung suchen soll und so nicht weiter arbeiten kann. Dass ich etwas mit meinem Leben machen soll.
Ich habe vor, mich bei diversen Schulen auf ein Studium zu bewerben (was früher eine Ausbildung war). Wenn ich das meinem Vater erzählt hätte, käme in den nächsten Wochen nur noch das.
Ich würde ja gerne davon erzählen, mit wem ich bei Einhorn so unterwegs bin und wer die Menschen sind, aber wenn sich schon über mein Geschlecht lustig gemacht wird…
Dabei weiß meine Familie nicht, dass Einhorn und ich poly leben. Also auch mehrere Beziehungen haben (können). Ich glaube, hätte ich das erwähnt beim Kommentar „er wird dich irgendwann wegen jemand besserem verlassen, und dann?“, käme noch mehr Negatives auf mich, und das kann ich gerade echt nicht gebrauchen.
Ich habe am nächsten Tag mit meiner Stiefmutter darüber gesprochen. Ich wollte über mein Geschlecht reden – joa… Eins kann sich denken, wie es lief. Genau, es wurde wieder zu einem Vortrag. Es wurde eine Trans*-Frau erwähnt und das Pronomen „er“ verwendet.
Wie soll ich mich als Enby da wohl fühlen, wenn beiden egal ist, was ich bin und mein Geschlecht, was ich tatsächlich bin, ignorieren? Wenn sie nur auf meinen Körper sehen und dessen Pronomen verwenden und vor allem mit voller Absicht meinen nicht gemochten Namen verwenden.
Mir wird jetzt schon wieder schlecht davon, wenn ich nur daran denke…

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